Wenn dein Akku leer ist

Jürgen Ferrary
7. September 2026

Kennst du diesen Moment? Dein Smartphone zeigt noch 3% Akku. Du wirst nervös. Du suchst irgendwo ein Ladekabel. Vielleicht schaltest du Bluetooth aus, machst den Energiesparmodus an und hoffst, dass es noch bis nach Hause reicht. Und irgendwie leben wir selbst manchmal genauso.

Wir funktionieren noch. Wir arbeiten. Wir kümmern uns um andere. Wir beantworten Nachrichten, erledigen unsere Aufgaben und lächeln vielleicht sogar dabei. Aber innerlich steht die Anzeige längst auf 3%.

Die Frage ist: Was passiert, wenn wir mit einem leeren geistlichen Akku einfach weitermachen?

Vielleicht werden wir gereizter. Kleinigkeiten bringen uns schneller aus der Ruhe. Wir reagieren statt zu agieren. Wir verlieren die Freude. Und irgendwann merken wir: Ich habe zwar noch Energie, Dinge zu erledigen – aber keine Kraft mehr, sie mit Liebe zu tun.

Genau deshalb sagt Psalm 46,11: „Seid still und erkennt, dass ich Gott bin!“ Das klingt zunächst fast wie das Gegenteil von dem, was wir erwarten. Wenn unser Akku leer ist, wollen wir meistens mehr tun. Gott sagt: Werde still.

Auch Jesaja 40,31 erinnert uns daran: „Die auf den HERRN hoffen, bekommen neue Kraft.“ Nicht: Die, die noch mehr leisten, bekommen neue Kraft. Nicht: Die, die sich noch mehr zusammenreißen. Sondern: Die auf den Herrn hoffen.

Vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen unseres hektischen Lebens: Du kannst einen leeren Akku nicht durch schnelleres Arbeiten aufladen. Und jetzt kommt die überraschende Wendung: Jesus sagt nicht immer: „Mach mehr für mich.“ Manchmal sagt er: „Komm zur Ruhe.“

In Markus 6,31 waren die Jünger nach einer intensiven Zeit völlig erschöpft. Jesus sagte zu ihnen „Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Jesus schickt seine Jünger nicht sofort zurück an die Arbeit. Er erkennt ihre Erschöpfung – und lädt sie zur Ruhe ein.

Das ist kein Aufruf zur Bequemlichkeit. Ruhe ist kein Gegenteil von Nachfolge. Manchmal ist Ruhe ein Akt des Vertrauens. Denn wenn du ständig weitermachst, vermittelst du dir selbst irgendwann die Botschaft: „Alles hängt von mir ab.“

Aber wenn du innehältst, sagst du: „Gott, ich bin nicht unersetzlich. Die Welt dreht sich auch ohne mich weiter. Und du bist Gott – nicht ich.“ Vielleicht brauchst du heute deshalb nicht noch einen weiteren Motivationsspruch. Vielleicht brauchst du kein neues Zeitmanagement-System. Vielleicht brauchst du einfach ein Ladekabel für deine Seele.

Deine Seele wird nicht durch mehr Leistung aufgeladen, sondern durch Gottes Gegenwart. Und deshalb bedeutet geistlich auftanken nicht, vor Gott eine weitere Aufgabe auf die To-do-Liste zu setzen. Es bedeutet, bei ihm anzukommen.

Fünf Minuten Stille. Ein Psalm. Ein ehrliches Gebet. Ein Spaziergang mit Gott. Das Handy einmal weglegen. Nicht um noch etwas für Gott zu leisten, sondern um einfach bei ihm zu sein.

Denn vielleicht ist dein größtes Problem heute nicht, dass du zu wenig Energie hast. Vielleicht ist dein Problem, dass du versuchst, ohne Verbindung zur Quelle weiterzulaufen.

Deine Herausforderung für heute: Mach heute bewusst 15 Minuten Pause. Kein Handy. Keine Musik. Keine Nachrichten. Keine To-do-Liste. Setz dich hin und sag einfach: „Gott, mein Akku ist leer. Ich brauche dich. Ich will heute nicht nur für dich arbeiten – ich möchte bei dir sein.“ Und dann: Sei still.

Du musst in diesen 15 Minuten nichts erreichen. Vielleicht ist genau das heute dein geistlicher Schritt.

Sei gesegnet!

„Fast alles wird wieder funktionieren, wenn du den Stecker für ein paar Minuten ziehst – auch du.“ — Anne Lamott

Mehr Gedanken

WordPress Cookie Hinweis von Real Cookie Banner
Warning